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Potsdam, 15. April 2010

SiLK - Kulturgut am seidenen Faden. Die KNK geht mit dem SicherheitsLeitfaden Kulturgut (SiLK ) online

Die kulturellen Schätze in Museen, Archiven und Bibliotheken sind ständig von Beschädigung und teils unwiederbringlicher Zerstörung bedroht. Dies ist besonders durch die katastrophalen Ereignisse der vergangenen Jahre, etwa den Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar 2004 und den Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009, bewusst geworden. Aber auch
schleichende Gefahren, wie sie von ungünstigen Umwelteinflüssen oder Fehlnutzung ausgehen, können eine vernichtende Wirkung haben.
Dieser Gefahrenlage begegnet die Konferenz nationaler Kultureinrichtungen KNK mit der Einführung von SiLK, einem digitalen Sicherheitsleitfaden Kulturgut, welcher ab 15.04.2010 über die Website der KNK http://www.konferenz-kultur.de zugänglich ist. Damit steht den
Kultureinrichtungen im deutschsprachigen Raum erstmals ein Instrument zur Beratung in allen sicherheitsrelevanten Fragen kostenfrei zur Verfügung. SiLK ermöglicht eine interaktive Risikoanalyse mit Handlungsempfehlungen und bietet zusätzlich umfassende Informationen zu den Themen
• Brand,
• Diebstahl,
• Flut,
• Schädlinge,
• Schadstoffe und
• Licht.
Vorangestellt ist ein Abschnitt zum Allgemeinen Sicherheitsmanagement. Die Themen Klima, Vandalismus, Abnutzung, Havarien/Unfälle, Unwetter, Gebäudeversagen/Erdbeben und Gewalttaten sollen bis 2011 folgen.


Die Konferenz nationaler Kultureinrichtungen KNK ist ein Zusammenschluss von derzeit 23 Kultureinrichtungen aus den ostdeutschen Bundesländern, deren Gründung im März 2002 in den Franckeschen Stiftungen zu Halle auf eine auf Initiative des Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien erstellte Evaluationsstudie, das so genannte Blaubuch, zurückgeht. Aufgabe der KNK ist es, den Erhalt und die Erschließung des kulturellen Erbes der im Blaubuch als »national bedeutend« eingestuften Kulturinstitutionen in den ostdeutschen
Bundesländern weiter zu befördern und zu sichern.

Das Sicherheitsprojekt der KNK
Die Konferenz nationaler Kultureinrichtungen befasst sich seit fünf Jahren mit dem Thema Sicherheit und Katastrophenschutz für Museen, Archive und Bibliotheken. Da durch das Elbehochwassers 2002 und den Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar 2004 KNK-Einrichtungen betroffen waren, kann hierbei auf ein vertieftes Bewusstsein sowie besonderes Erfahrungswissen aufgebaut werden.
Ziel der Initiative ist es, die Sicherheit und damit den langfristigen Erhalt der Sammlungen, Bauwerke und Anlagen zu gewährleisten. Um dies zu erreichen, sollen den Einrichtungen Fachwissen und Erfahrungen zugänglich gemacht werden und eine grundsätzliche Sensibilisierung für Sicherheitsbelange in den Institutionen und bei den politischen
Entscheidungsträgern bewirkt werden.
Sicherheit bedeutet in diesem Fall nicht nur Schutz vor Diebstahl, Brand oder Naturkatastrophen, sondern umfasst ebenso alle übrigen Aspekte der präventiven Konservierung wie etwa Klima, Schädlinge, Schadstoffe oder Schäden durch Abnutzung, die zu einer langsameren und oft unbemerkten Zerstörung von Kulturgut führen.
In der ersten Projektphase (2006/07) stand zunächst die Information über international bereits vorhandene Strategien des Sicherheitsmanagements im Mittelpunkt, die in mehreren Workshops vorgestellt und im Hinblick auf ihre Übertragbarkeit auf die eigene Situation diskutiert wurden.
Eine Umfrage unter den Einrichtungen der KNK vermittelte ein Bild zum Zustand innerhalb der Häuser im Bereich Sicherheit.
Im nächsten Schritt wurde eine Themenübersicht (Sicherheitsmatrix) entwickelt, die alle Sicherheitsthemen umfasst und bis heute Bestand hat. Auf dieser Grundlage wurde mithilfe von Experten eine erste Version eines gedruckten Sicherheitsleitfadens erarbeitet.
2006 fand eine mehrtägige, international besetzte Tagung zum Thema »Sicherheit und Katastrophenschutz für Museen, Archive und Bibliotheken« statt. Die Beiträge sind in einem Tagungsband veröffentlicht, siehe auch:
http://www.konferenz-kultur.de/projekte/digitaler-sicherheitsleitfaden.php .
Die positive Resonanz auf die genannten Aktivitäten hat die KNK veranlasst, in einer zweiten Projektphase (ab September 2008) zusammen mit Experten einen digitalen Sicherheitsleitfaden zu entwickeln. Gegenüber der gedruckten Form ergeben sich dabei neue Möglichkeiten der Strukturierung durch Verknüpfungen und Verweise – das Thema Sicherheit kann in weitaus größerer Komplexität abgebildet werden. Außerdem wurden interaktive Komponenten (Fragebögen) integriert, welche dem Nutzer ein direktes individuelles Bearbeiten der Thematik erlauben. Die Präsentation als Webseite ermöglicht zudem eine permanente Ergänzung,
Überarbeitung und Aktualisierung, somit kann die Struktur stets an neue Bedürfnisse und Entwicklungen angepasst werden.
Von Anfang an war es der Wunsch der KNK, dass von einem solchen Sicherheitsleitfaden nicht nur ihre Mitgliedseinrichtungen, sondern alle Institutionen im deutschsprachigen Raum profitieren.
Zielgruppe sind besonders kleine und mittlere Einrichtungen ohne spezialisierte Mitarbeiter für den Sicherheitsbereich, aber ebenso alle Interessierten, die sich mit dem Schutz von Kulturgut beschäftigen.
Es ist zu betonen, dass bei SiLK die Sensibilisierung für Sicherheitsfragen sowie die Vermittlung von praxisnahem Grundlagenwissen im Vordergrund stehen. Einen Fachplaner oder Spezialisten (z.B. Restaurator oder Brandschutzgutachter) kann er nicht ersetzen.

Aufbau und Funktionsweise von SiLK
Der digitale Sicherheitsleitfaden Kulturgut enthält für jeden Themenbereich (Allgemeines Sicherheitsmanagement, Brand, Diebstahl, Flut, Schädlinge, Schadstoffe und Licht) die folgenden Komponenten: ein allgemeiner einleitender Teil, interaktive Fragebögen, die eine Analyse mit Handlungsempfehlungen ergeben, und weiterführende Hinweise auf Literatur, Links, Experten, Best-Practice-Beispiele etc. Querverweise und Vernetzungen unter den Themen ermöglichen es, die Risiken und ihre Auswirkungen in ihrer Komplexität zu erfassen.
Der Zugang zu SiLK erfolgt über die KNK-Website http://www.konferenz-kultur.de . Für jedes Themenkapitel (z. B. Brand) erscheint zunächst ein kurzer Einführungstext. Per Menü gelangt man zu einem ausführlichen Informationstext, welcher die wissenswerten Grundlagen zum
jeweiligen Fachgebiet vermittelt und als Einstieg in die Thematik dient.
Der Fragebogen ist interaktiv konzipiert. Anhand der Abfrage einer Vielzahl von Einzelaspekten aus dem jeweiligen Themengebiet wird der Zustand der Einrichtung in Bezug auf das behandelte Risiko erfasst und darauf abgestimmt eine Liste von Handlungsempfehlungen erstellt.
Die Auswertung erfolgt nach dem Ampelprinzip: Wird in einem bestimmten Themenbereich der Mindeststandard nicht erfüllt (Bewertung: rot), werden Maßnahmen in Form von Handlungsanweisungen angeboten. Ist die Umsetzung geeigneter Maßnahmen nicht möglich (z. B. aus Gründen des Denkmalschutzes) (Bewertung: gelb), werden Kompensationsmaßnahmen
als Handlungsalternativen aufgezeigt. Zusätzlich werden allgemeine Tipps benannt – Links führen zu verwandten Themen und Websites oder verweisen auf Material im Wissenspool.
Das Ergebnis kann zur weiteren Verwendung als pdf-Dokument abgespeichert werden. Es empfiehlt sich, die Abfrage in regelmäßigen Abständen zu wiederholen, um neue Entwicklungen zu berücksichtigen sowie die Ergebnisse der Umsetzung empfohlener Maßnahmen zu
überprüfen. Aus Sicherheitsgründen werden keine nutzerspezifischen Daten gespeichert, ein Zugriff Dritter auf sensible interne Informationen ist somit nicht möglich.
Alle Themen sind so aufbereitet, dass sie ohne Vorwissen verständlich sind. Daher können zu den einzelnen Fragen Erläuterungen zugeschaltet werden, in denen etwa Fachbegriffe erklärt oder notwendige Grundkenntnisse im entsprechenden Spezialgebiet vermittelt werden. Will man
sich mit einem Themengebiet intensiver beschäftigen, kann man auf zusätzliche Tipps und weiterführende Links zugreifen.
Dieses mehrstufige Grundprinzip ermöglicht eine weitgehende fachliche Präzision und Tiefe bei gleichzeitig allgemeinverständlicher Formulierung und reagiert auf die sehr heterogene Zielgruppe der mit Kulturgutschutz im weitesten Sinne betrauten Personen.
Zusätzlich entsteht für jedes Themengebiet ein beständig wachsender »Wissenspool«, der als umfassendes Nachschlagewerk und Informationsquelle zu sämtlichen Fragen der Sicherheit für
Museen, Archive und Bibliotheken dienen soll. Hierzu zählen nicht nur Hinweise auf Literatur und Quellen im Internet, sondern etwa auch relevante Normen und Gesetzestexte, Checklisten und ergänzende Materialien zum Risikomanagement sowie Beispiele für Maßnahmen und
Verweise auf Initiativen oder Netzwerke.
Ziel ist es, das vorhandene Wissen zu strukturieren, um den schnellen Zugriff auf bestehende Unterlagen oder Informationsquellen zu erleichtern sowie die beteiligten Personen und Gruppen nachhaltig zu vernetzen.
In der nächsten Projektphase ist die Ausarbeitung weiterer Kapitel geplant: Klima, Vandalismus, Abnutzung, Havarien / Unfälle, Unwetter, Gebäudeversagen / Erdbeben, Gewalttaten (kriegerische Auseinandersetzungen / Chaos / Terror). Wünschenswert wären
zudem die Ergänzung mit einem Standard-facilities report und einem Werkzeug zur Durchführung quantitativer Risikoanalysen.
SiLK soll den KNK-Institutionen und allen anderen Kultureinrichtungen im deutschsprachigen Raum künftig als neutrales, nicht-kommerzielles Angebot zur Verfügung stehen. Eine vergleichbare Datenbank (Fachbuch oder Software) ist trotz des großen Bedarfs bis heute nicht vorhanden. Auch international gibt es nur einzelne – zumeist kommerzielle und oftmals unpraktikable – Produkte mit ähnlicher Zielsetzung. Das Projekt der KNK schafft somit ein vollkommen neues Angebot, das dem Wunsch von Kultureinrichtungen nach einem einfach anzuwendenden Instrument entspricht.


Das Projekt Sicherheit und Katastrophenschutz für Museen, Bibliotheken und Archive – SiLK SicherheitsLeitfaden Kulturgut der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen wird gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des
Deutschen Bundestages.


Kontakt:
Dipl.-Ing. Almut Siegel
Projektleiterin Digitaler Handlungsleitfaden Sicherheit
Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen
c/o Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Postfach 601462
14414 Potsdam
Telefon +49 (0)331 / 96 94-425 oder 030/31808228
Fax +49 (0)331 / 96 94-102
a.siegel@spsg.de oder almutsiegel@yahoo.de

Dr. Alke Dohrmann
Projektleiterin Digitaler Handlungsleitfaden Sicherheit
Konferenz nationaler Kultureinrichtungen
c/o Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen
Grassi Museum für Völkerkunde zu Leipzig
Postfach 100 955
04009 Leipzig
Telefon +49 (0)341 - 97 31 910 oder 0341 - 2618225
Fax +49 (0)341 - 97 31 909
knk-sicherheit@ses.museum


KNK-Kontakt:
Konferenz nationaler Kultureinrichtungen KNK
c/o Franckesche Stiftungen zu Halle
Katrin Dziekan • Franckeplatz 1 Haus 37 • 06110 Halle/Saale
Tel.: +49 (0)3943 - 55 74 35 • Fax: +49 (0)3943 - 55 74 36
dziekan@konferenzkultur.de

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